Das Heidenhäuschen
 
Zur Geologie
Zur Vorgeschichte und Geschichte
Alte Straßen rund um das Heidenhäuschen
 
  Hangenmeilingen - Heidenhäuschen 397,80 m
Blick zum Heidenhäuschen
Das »Heidenhäuschen«, eine vulkanische Erhebung, ist das Wahrzeichen des Ortes Hangenmeilingen und diente in der Keltenzeit als Fliehburg. Noch heute kann man Überreste eines Ringwalles erkennen. Die Bezeichnung »Heidenhäuschen« ist nicht klar definierbar. Fest steht nur, daß auf der Bergspitze, die einen wunderschönen Blick in den beginnenden Westerwald und in das Limburger Becken ermöglicht, die in unserem Raum lebenden und dem germanischen Volksstamm der Catten zugehörigen Bewohner dieser Gegend bis in die Christianisierung hinein ihren heidnischen Göttern opferten.
Rundblick in den Westerwald
Rundblick Westerwald
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Hinweistafel
Aufstieg
Wegweiser zum Heidenhäuschen
Die letzten steilen Stufen
 
 
Aussichts-Plattform
Schutzhütte
Höchster Punkt   397,80m
Schutzhütte
 
 
Naturschutzgebiet
Baum mit Efeu
Rundum Naturschutzgebiet
Ameisenhügel
 
 
Ameisenhaufen
Rote Waldameisen
Ameisenhügel von beachtlicher Größe
Rote Waldameisen
 
 
Baum
Natur  pur
Knorrige Bäume
Natur pur
 
Zur Geologie

Der Basaltkörper des Heidenhäuschens und Remelsberges umfaßt fast 3 km in der Nord-Süd-Richtung und hängt wahrscheinlich zusammen mit den Basaltergüssen des Spitzberges, der Burg und des Renngrabens.

Das fast mauerartige Abbrechen des Basaltes bei Hangenmeilingen und das staffelartige Absinken zum Elbbach hin wird zurückgeführt auf die Verwerfungen der Erdscholle im Zusammenhang mit der Alpenfaltung in der Tertiärzeit. Durch die dabei entstandenen Erdspalten drang Lava hervor, hier Basalt, der sich meist in mehreren übereinanderliegenden flächenmäßigen Lagen in der tertiären Ablagerungen - dazu gehört der Wester-wälder Hauptton (Vallendarer Ton) des Altterziärs - hineinschob.
Das begann vor etwa 28 und endete vor rund 22 Millionen Jahren. Es handelt sich in der Regel um Olivinbasalt. Olivin ist ein Eisen-Magnesium-Silikat (grünliche Kristalle).
Die Gipfelfelsen des Heidenhäuschens bestehen aus massigen, bankigen, großblockigen Basaltbildungen. Zwei basaltgefüllte Krater mit meilerartiger Säulenstellung sind nachgewiesen im Steinbruch im Distrikt 3 bei Ober- zeuzheim und im Steinbruch Lay (Lai) in der Ellarer Gemarkung.
Die Basaltblockmeere am Heidenhäuschen haben sich im wesentlichen unter eiszeitlichen Klimabedingungen im nichtvergletschertem Gebiet durch Abgleiten der Blöcke auf dem rutschigen Untergrund herausgebildet
 
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Zur Vorgeschichte und Geschichte
In der jüngeren Altsteinzeit durchstreiften Jäger und Sammler das Limburger Becken und das untere Elbtal (Funde bei Steeden, Diez und Lindenholzhausen).
In der Jungsteinzeit drangen ab 2500 vor Christus Schnurkeramiker und Steinkistenleute ein. Steinkistengräber wurden gefunden bei Nieder-u.Oberzeuzheim aus der Zeit um 1900 vor Chr.
Aus der Urnenfelderzeit (1200 - 700 v.Chr.) entdeckt man Reste eines Friedhofes bei Oberzeuzheim und eine Urne (um 1000 v. Chr.) bei Fussingen.
In der folgenden Hallstattzeit (700 - 450 v.Chr.) breitete sich die Ältere-Hunsrück-Eifel-Kultur hier aus. Kleinere Wallanlagen mit Höhensiedlungen aus der Späthallstattzeit um 500 v.Chr. werden am Heidenhäuschen (vermutete Hügelgräber auf dem "Frauenberg") und auf der Dornburg angenommen, die zusammen eine Art Torfunktion für das mittlere Elbtal hatten. In der folgenden Latenezeit (450 vor bis um Christi Geburt) wanderten von Gallien aus die Kelten ein, ein ständisch gegliedertes Volk von Bürgern, Bauern, Handwerkern und Kaufleuten (Jüngere-Hunsrück-Eifel-Kultur).
Von Norden her drangen die Germanen vor. Um 300 v. Chr. hatten sie den Westerwald erreicht. Zum Schutz gegen sie errichteten die Kelten Fliehburgen und Ringwälle. Die Dornburg bauten sie zur Spätlatenezeit zu einem keltischen OPPIDIUM aus, einer befestigten Stadtsiedlung als Mittelpunkt eines keltischen Stammes oder Teilstammes bzw. eines Gaues. Aus dieser Zeit dürften die Ringwallreste auf dem kleinen Plateau östlich des Heidenhäuschengipfels stammen.
1902 entdeckte man in der Nähe des 1985 ausgegrabenen Steinkistengrabes von Oberzeuzheim 2 keltische Regenbogenschüsselmünzen aus dem 1.Jahrhundert v. Christus. Dort fand man auch letenezeitliche Siedlungs-reste.
Das Alter des Brunnens in der >>Burg<< und des daneben aufrecht stehenden Steines sowie des 1949 im Brunnen gefundenen Mahlsteines ist noch nicht eindeutig geklärt. Ursprünglich ging man aus von letinezeitlich, neuerdings neigt man mehr zu frühmittelalterlich bis >>vielleicht mittelalterlich<<. Dasselbe gilt für die Steinwälle - >> Die aal Mauer<< am Rennberg. Man sieht sie heute als mittelalterlich an, als man die Wälder noch stark zur Weide bzw. zur Mastung nutzte.
Wir dürfen von einem längeren Nebeneinander der Kelten als Bauern, Handwerker und Kaufleute sowie der Germanen als Jäger-Nomaden im Westerwald und im Lahngebiet ausgehen. Unter germanischem Einfluß hat sich diese keltische Bevölkerung offenbar mit den Nachfahren der Urnenfelder Kultur vermischt und ist dann in den >>UBIERN<< aufgegangen, die nach dem Zeugnis Caesars im 1. Jahrhundert v. Chr. hier lebten und das >>UPLAND<< das höher gelegene Land (Name!) bewohnten. Sie waren ein keltisch-germanisches Mischvolk und hatten weibliche Gottheiten (Matronen) ein keltisch-gallisches Element. Die Germanen hatten vorwiegend männliche Gottheiten (Zius, Wotan u.a.)
Die Auswertung der Orts-Flurnamen rund um das Heidenhäuschen läßt den Schluß zu, daß sich zur Ubierzeit im Bereich des Heidenhäuschens / Remelsberges eine vorgeschichtliche zentrale Kultstätte der drei ubischen Gerichtsmatronen MAHALINEHAE mit Gau- und Volksgericht sakralen Charakters befunden haben muß.
Um 38/37 wurden die Ubier von ihren Bundesgenossen, den Römern, in den Raum Köln umgesiedelt, wo sie das OPPIDUM UBIORUM ( = Ubierstadt ) gründeten
In das von ihnen aufgegebene Land folgten die germanischen USIPETER nach, die an die Stelle der weiblichen Gerichtsmatronen ihren männlichen Gott Zius setzten.
Das Gericht am Remelsberg dürfte nun von den keltischen Männerbünden der USIPETER getragen worden sein. Verschiedene Indizien ( Sagen vom >>Nachtjäger<< dem >>Wilden Heer<<, dem >>Wilden Jäger<<, Flurnamen, >>Walpode<< ) wiesen darauf hin, daß während der Frankenzeit als ringsum alles längst christlich geworden war, dieses Gericht als heimliches Gericht in der Art der Feme und Haberergerichte weiterexistiert hat, getragen von einem geheimen Männerbund.
Es war die Praxis, daß heidnische Kultstätten umgewidmet wurden in christliche Wallfahrtsorte. So legimierten die Grafen von Diez im Hochmittelalter dieses im Untergrund noch in die heidnische Zeit hineinreichende Gericht, erhoben die letzten Walpoden, die aus Waldmannshausen stammten, zu Beamten der Grafschaft Diez, wandelten das Gericht in ein christliches um, indem sie ihm in >>ST. MAXIMUS<<, Bischof der römischen Kaiserstadt Trier von 337-349 einen Patron und errichteten auf dem >>Frauenberg<< südlich des Heidenhäuschengipfels eine Wallfahrts-kapelle zu >>Unserer Lieben Frau<<, die bis zur Reformationszeit bestand und dann verfiel. Damit ist die 1885 errichtete Wallfahrtsstätte >> Sieben Schmerzen Mariens <<, die ein Stück unterhalb liegt, nicht identisch. Diesen Vorgang der Umwidmung nennt man Substitution oder Übergründung. St.Maximus ist noch heute der Kirchenpatron von Ellar.
Dieses mittelalterliche Landgericht St.Maximus zu Ellar - kurz >>Landgericht Ellar<< tagte im Steinkreis am Remels-berg. Es war >>Peinliches Gericht, Halsgericht bzw. Criminalgericht<<, ferner Appellationsgericht oder Oberhof als 2.Instanz für die 4 Unter- oder Kirchspielsgerichte Lahr, Elsoff, Frickhofen und Niederzeuzheim, hatte die Zuständigkeit für Beurkundungen und war ein Rügengericht ( >>Geschworenen - Montag << ). 1512 fanden hier auch Hexen-prozesse statt ( im späten 16. u. 17. Jhdt. in Hadamar ). Der Galgen stand am >>Ellarer Gericht <<. Die Hinrichtungen fanden >>bei kurzem Nebel<< statt, d.h. beim Gerichtshügel an der Alten Straße. Das Gefängnis war der sogenannte >>Hungerturm<< in Ellar.
Dieses Landgericht war zuständig für die >>HERRSCHAFT ELLAR<< oder die Vier Zenten (Kirchspiele) Lahr, Elsoff, Frickhofen und Niederzeuzheim, einem unmittelbaren Lehen des Deutschen Reiches, das Kernstück jenes vorgeschichlichen Siedlungsgaues.
Mit der Einführung des Römischen Rechts im 16. Jahrhundert wurde das Landgericht Ellar in den Amtsort Ellar verlegt, der 1372 von Kaiser Karl IV, Stadt - und Marktgerechtigkeit erhalten hatte.
 
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Alte Straßen rund um das Heidenhäuschen
Eine Abzweigung der alten Hohen Straße von Mainz / Frankfurt über Limburg nach Köln ( die heutige B 8 ) führte von Limburg über die lange Mail ( heute B 49 ) nach Norden, zog in einem Bogen östlich um Steinbach herum, dann in vielen parallelen Wegerinnen und Hohlwegen zum >>Ellarer Gericht<< schließlich am Osthang des Basaltrückens Heidenhäuschen / Remelberg entlang zur Zollbrücke bei der Gadelheimer Mühle. Es war >>DIE ALTE LANDSTRASSE DURCH DEN FORSTWALD>> - vermutlich eine von Karl Martell um 720 angelegte Karolingische Königsstraße ( nach Willi Görich ). Sie führte dann weiter durch den Forstwald zum Baunstor und über Rennerod und Neukirch nach Siegen. Von Remelsberg zweigte die viel ältere >>HOHE STRASSE<< ab und verlief auf der Ostseite des Ellarer Bühl entlang, über den Heidersberg bei Fussingen zum Oberroder Knoten-Fuchskaute-Neukirch nach Siegen.
Im Rahmen der Flurumlegungen ab 1780 verschwanden diese beiden alten Fernverkehrswege, zu deren Schutz wohl die Burg Ellar als Straßenfestung vermutlich im 12. Jahrhundert errichtet worden sein dürfte. An ihrer Stelle bauten die nassau-oranischen Behörden >> DIE NEUE MAINZER STRASSE << ( heute B 54 ) durch Oberzeuzheim aus. Besondere Schwierigkeiten bereitete der sog. >> Wolfsgalgen << nördlich des Ortes. 1790 war die Straße fertig bis Rennerod. 1795/96 baute Kurtrier den Straßenzug von der Landesgrenze zwischen Niederhadamar und Elz nach Süden weiter.
Auf der Südseite des Heidenhäuschens verlief eine alte Ost-West-Straße von Trier durch den Montabaurer Wald - Hadamer - an der Gemarkungsgrenze Oberzeuzheim / Oberweyer entlang über Steinbach, den Allendorfer Stock, Weilburg und Wetzlar nach Thüringen. Sie führte verschiedene Namen: Trierer, Koblenzer, Wetzlarer Straße und Lahnstraße.
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Aktualisiert am: 12-Feb-2002
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